Umwelt

Augen auf bei der Lieferkette

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Im Sinne der zwei Sustainable Development Goals 8 und 12, Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum (SDG 8) und Nachhaltiger Konsum und Produktion (SDG 12), ist es in unserer globalisierten Welt wichtig, die sozialen und ökologischen Auswirkungen der oft weit verzweigten und intransparenten Lieferketten kritisch zu hinterfragen.

Erwiesen ist, dass die Marktteilnehmer, Hersteller und deren Lieferanten über das Verbraucherverhalten positiv beeinflusst werden können und wir dies daher aktiver tun müssen.

Verbraucherverhalten beim Bauen von Gebäuden bedeutet:

  • der Verzicht auf bestimmte Produkte,
  • Kaufentscheidungen für Produkte mit Zertifikaten, die ökologische und soziale Standards in der Lieferkette sicherstellen,
  • oder kritisches Nachfragen bei den Herstellern, um zu signalisieren, was den Kunden, zusätzlich zu Qualität und Preis, noch wichtig ist.

Setzen wir Produkte in Gebäuden und dessen Außenanlagen ein, die hinsichtlich ökologischer und sozialer Auswirkungen über die Wertschöpfungskette transparent sind und deren Rohstoffgewinnung und Verarbeitung anerkannten ökologischen und sozialen Standards entsprechen, tragen wir zu den SDGs 8 und 12 bei. Eine verbesserte Transparenz und höhere Standards, besonders in Erzeugerländern, tragen dazu bei, den an der Wertschöpfungskette Beteiligten Erkenntnisse einer verantwortungsbewussten Ressourcengewinnung zugänglich zu machen, gewonnenes Know-how einer nachhaltigen und sozioökologisch akzeptablen Rohstoffgewinnung weiter auszubauen und breiter zu streuen, um so ökologischen und sozialen Missständen entgegenzuwirken.

Standards, umgesetzt in Zertifikaten, unterstützen die Kommunikation „unsichtbarer Attribute“ von Rohstoffen und dienen den beteiligten Unternehmen als klare Richtlinie hinsichtlich unterschiedlicher Aspekte bei der Ressourcengewinnung. „Unsichtbare Attribute“ können beispielsweise soziale oder ökologische Auswirkungen sein, die der Verarbeiter und/oder Endverbraucher anhand des Baustoffs nicht erkennen kann, wie z. B. die Einhaltung der Menschenrechte beim Rohstoffabbau oder die Gefährdung des Grundwassers beim Abbau durch eingesetzte Chemikalien. Standards können dem Verarbeiter/Endverbrauchern komplexe Informationen zum Baustoff glaubhaft vermitteln und zusichern. Sie können helfen, klare Bestimmungen und Anforderungen im internationalen Markt zu harmonisieren und durchzusetzen.

Im Baubereich eingesetzte Produkte unterscheiden sich stark bezüglich ihrer Herkunft, der Art der Gewinnung und der Art der Weiterverarbeitung. Aktuell existieren wenige Standards, die eine umfassende Transparenz und Sicherstellung von Umwelt- und Sozialstandards stärken. Viele Unternehmen betreiben ihre Produktion nach Umweltmanagement-Standards, halten sich an soziale Mindestanforderungen oder berichten umfassend über die für ihre Produktion wesentlichen Nachhaltigkeitsaspekte im Rahmen von CSR-Berichten. Planer sollten frühzeitig bei der Auswahl von Baustoffen und Bauprodukten die Herkunft und Abbaubedingungen der in den Bauprodukten verarbeiteten Rohstoffe berücksichtigen und mit ihren Bauherren aktiv besprechen.

Bei Zertifikaten (oder Labels) sollten die ökologischen Anforderungen zum Ziel haben, negative Umweltauswirkungen im Bereich der Rohstoffgewinnung und Verarbeitung zu verringern. Folgende Themen sollen in den Standards angesprochen werden:

  1. Schutz und Erhalt der Biodiversität (Artenvielfalt)
  2. Sicherung des Fortbestehens und Schutz von Ökosystemen (Lebensraumvielfalt) – Naturräume sollen wieder in einen, dem ursprünglichen Zustand mindestens gleichwertigen Zustand, überführt werden. Es gilt das Verschlechterungsverbot.
  3. Erhalt von Schutzfunktionen von Ökosystemen (Hochwasserschutz, Trinkwasser, Lawinen, etc.)
  4. Erhalt von Böden und Landschaften durch Reduktion der Flächeninanspruchnahme
  5. Erhalt der Bodenqualität durch Vermeidung von biologischer, chemischer und physikalischer Bodendegradation (z. B. Bodenverdichtung, Bodenerosion, Bodenkontamination durch den Einsatz von umwelt-, gesundheitsschädlichen und gefährlichen Chemikalien)
  6. Erhalt des natürlichen Wasserkreislaufs
  7. Reduktion des Wasserverbrauchs und Vermeidung von Auswirkungen auf Oberflächengewässer- und/oder Grundwasserstände sowie deren Qualität
  8. Vermeidung von Wasserverschmutzung (z.B. Vermeidung von Auswirkungen auf die Wasserqualität durch Abwässer)
  9. Vermeidung von Abfällen insbesondere giftigen Abfällen
  10. Erhalt der Luftqualität durch Vermeidung schädlicher Emissionen
  11. Reduzierung der Umweltwirkungen von Transporten (z.B. über Nutzung lokaler/regionaler Rohstoffquellen)

Soziale Anforderungen sollen zum Ziel haben, negative soziale Auswirkungen durch die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen zu verhindern. Die Anforderungen im Bereich der sozialen Themen orientieren sich u. a. am Menschenrechtsabkommen und den Arbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), dem ISEAL Assurance Code und den OECD-Leitlinien für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht.

  1. Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit gemäß ILO-Übereinkommen
  2. Einhaltung von grundlegenden ILO-Kernarbeitsnormen und Arbeitsschutzmaßnahmen (Vermeidung von Arbeitsunfällen/Schutz der Arbeiter vor Gefahrenquellen) über die gesamte Liefer- und Wertschöpfungskette
  3. Einhaltung von Arbeitsrechten (z. B. Zusicherung eines den gesetzlichen Vorgaben entsprechenden schriftlichen Arbeitsvertrags), das auch für Subunternehmer gilt
  4. Einhaltung von dem Recht auf Vereinigungsfreiheit, Schutz des Vereinigungsrechtes und auf Kollektivverhandlungen gemäß ILO-Übereinkommen 87 und 98
  5. Zahlung gleicher Löhne und Nichtdiskriminierung am Arbeitsplatz gemäß ILO-Übereinkommen 100 und 111
  6. Erhalt kultureller Werte und Einhaltung der Rechte indigener Völker bzw. der lokalen Bevölkerung. Vermeidung von Nutzungskonflikten und der Gefährdung der Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung durch mögliche negative Auswirkungen der Rohstoffgewinnung, Verarbeitung oder Herstellung von Produkten (Landvertreibungen, Zwangsumsiedlungen sowie Beeinträchtigung der Ernährungssicherung)
  7. Umsetzung „ethischen Wirtschaftens“ (wie z. B. Verhinderung von Korruption, Umsetzung fairer Geschäftspraktiken, Einhaltung von Gesetzen)